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Folge 21 | Anamnese: Was hat der Patient?

  • Writer: Noah Elias Tatari
    Noah Elias Tatari
  • 6 days ago
  • 10 min read

Patientendaten:

Name: Herr Hans-Joachim Mönchler

Alter: 62 Jahre

Größe: 174 cm

Gewicht: 84 kg (BMI=27,7)

Beruf: gelernter Mechaniker, arbeitet jetzt im Büro einer größeren Autowerkstatt, aber freut sich vor allem auf den Ruhestand

Familienstand: Ehefrau, aber getrennt lebend, 2 gemeinsame Kinder (Alter: 36 und 33), lebt jetzt allein in einem Haus mit Garten

Hausärztin: Frau Dr. Friederike Würth (wie das Unternehmen)


Gespräch:

Setting: Vorstellung beim KV Dienst an einem Samstag Mittag an der Dresdner Uniklinik

B. Einstiegsituation

Arzt: Guten Tag Herr Mönchler. Was führt sie heute zu uns?

Patient: Ach Frau Doktor, heute Morgen da bin ich aufgewacht und da lachte mir direkt die Sonne ins Gesicht. Da wollte ich natürlich direkt den schönen Tag nutzen und habe mich mit meiner Säge bewaffnet und angefangen die Bäume zu verschneiden. Sie wissen ja, wer rastet der rostet. Da ging es mir auch noch richtig gut und ich kam gut voran mit der Arbeit, aber dann hatte ich so einen Schmerz in der Brust. Mein Vater ist doch an einem Herzinfarkt gestorben und da habe ich gleich Angst bekommen. Denken Sie, ich habe einen Herzinfarkt? Ich hab doch so Angst.

Arzt: Herr Mönchler, jetzt sind Sie ja bei mir und wir werden ihre Schmerzen abklären. Um zu erfahren, was Sie haben brauche ich noch mehr Informationen und da wollen wir keine voreiligen Schlüsse ziehen. Wie haben sich die Schmerzen denn angefühlt und sind sie ganz plötzlich aufgetreten oder eher langsam?

Patient: Das war wie ein drücken auf der Brust… als würde da jemand auf mir draufsitzen und ich konnte nicht mehr atmen und das tat weh. Das ging so los, als ich gerade die schweren Äste alle auf einem Haufen sammeln wollte, was schon sehr anstrengend für mich war. Ich war schon ganz außer der Puste. Als die Schmerzen kamen, setzte ich mich auf meinen Gartenstuhl und dann gingen die Schmerzen wieder weg. Dann bin ich direkt zu Ihnen gekommen.

Arzt: Tat ihnen nur die Brust weh oder ist der Schmerz ausgestrahlt? Und haben Sie noch andere Beschwerden wahrgenommen? Und wie lange dauerte es circa bis die Schmerzen verschwanden?

Patient: Oh ja wenn Sie so fragen, irgendwie tat mir auch mein Arm links weh. Aber das war dann auch schnell wieder vorbei, der Schmerz in der Brust macht mir mehr Sorgen. Sonst war da nix. Die Schmerzen hielten vielleicht so paar Minuten, aber Frau Doktor es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an. Das kann ich gar nicht richtig sagen.

Arzt: Sind denn solche Schmerzen bei Ihnen schon mal aufgetreten? Skript Patientengespräch


Patient: Naja wissen Sie ich bin da doch hart im nehmen und gehe nicht wegen jedem kleinen Wehwechen zum Doktor. Da muss man doch einfach die Zähne zusammenbeißen. So haben wir es immer gelernt, da kann man nicht wegen jedem kleinen Wehwechen zuhause bleiben. Wo führt das denn hin? Ich bin einer der treusten Mitarbeiter bei uns auf Arbeit! 0 Fehltage hatte ich dieses Jahr! Na da können Sich die Jugendlichen von heute mal eine Scheibe abschneiden. Wissen Sie das ist ja wirklich heute ganz anders als früher…. (redet über früher, Arzt sollte irgendwann unterbrechen) früher da konnte man nicht wegen jeder Kleinigkeit zuhause bleiben. Da bin ich selbst mit 40 Grad Fieber auf Arbeit erschienen und habe an den Autos geschraubt und geschadet hat es mir ja auch nicht.

Arzt: Schön, dass Sie so ein guter Mitarbeiter sind, aber Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Sind solche Beschwerden schonmal aufgetreten?

Patient: Oh ja entschuldige Frau Doktor. Jaja ich hatte das schon mal aber da war es immer nicht so schlimm, und wenn ich mich hingesetzt habe war es auch schnell wieder besser, aber heute da hatte ich Angst.

Arzt: Können Sie sagen, was früher Auslöser für die Schmerzen waren?

Patient: Puh, das weiß ich nicht so genau aber ich weiß noch dass es einmal bei meiner Tochter war. Sie hatte uns zum Angrillen eingeladen, die wohnt richtig schön mit ihrem Mann beim Weißen Hirsch da. Nach dem Essen hatte ich dann auch wieder so einen ziehenden Schmerz in der Brust, aber ich habe nix gesagt weil ich ihr keine Angst machen wollte. Sie ist schon immer ein Sensibelchen gewesen, da wollte ich nicht, dass sie sich aufregt.

C. Vegetative Anamnese

Arzt: Haben Sie in letzter Zeit vermehrt Fieber, Nachtschweiß oder Gewichtsverlust wahrgenommen? Hat sich Ihr Appetit verändert oder ihr Schlaf? Haben Sie Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen?

Patient: Fieber das hab ich nicht nee. Und ha mein Gewicht steigt eher in die andere Richtung, immer dicker werde ich. Aber früher da habe ich mich immer bewegt, wissen Sie als Mechaniker da ist man immer auf Achse. Geht da was reparieren und dort. Aber jetzt sitze ich nur noch im Büro. Meine Tochter sagt immer: Papa du bist dick geworden und sie hat mich sogar in so einem Fitnessstudio angemeldet. Aber dieser neumodische Kram das ist nix für mich. Essen tu ich noch wie immer, aber jetzt muss ich für mich selber kochen, da meine Frau ausgezogen ist. Ihr Essen vermiss ich schon: den leckeren Sonntagsbraten. Jetzt gibt’s oft Pizza oder Nudeln. Das ist einfach zu machen. Schlafen tu ich gut. Nur die senile Bettflucht ergreift mich immer öfter. Da bin ich schon um 5 Uhr wach und stehe auf, aber das ist halt so mit dem Alter. Und Schwitzen tu ich im Sommer schon.

Arzt: Wie viel Schwitzen Sie denn? Ist Ihr T-Shirt am nächsten Tag sehr nass?

Patient: Naja im Sommer da schon, aber ich schlafe auch direkt unter dem Giebel. Da ist es im Sommer echt heiß. Das T-Shirt ist nur bisschen nass am nächsten Tag und auch nur wenn es über 30 Grad sind.

Arzt: und haben sie Probleme beim Stuhlgang oder Wasserlassen?

Patient: Aber Frau Doktor, das funktioniert alles reibungslos.

E. Vorerkrankungen

Arzt: Sind denn bei Ihnen andere Erkrankungen bekannt? Skript Patientengespräch


Patient: Nee, ich war immer kerngesund.

Arzt: zum Beispiel Bluthochdruck oder zu hohe Fettwerte oder Diabetes?

Patient: Die Frau Dr. Würth, die hat da mal regelmäßig meinen Blutdruck gemessen, als ich in ihre Praxis kam. Wissen Sie mir gings da nicht so gut als mein Vater gestorben ist, der war da erst 58 Jahre, ist ja auch wirklich kein Alter zum Sterben oder?? Da gab sie mir was zur Beruhigung. Dann hat sie auch meinen Blutdruck gemessen und der war da scheinbar bissl zu hoch, aber davon merk ich nischt. Blut hat Sie da auch abgenommen und da kamen dann hohe Fettwerte raus. Seitdem muss ich so zwei kleine Tabletten nehmen, aber ich weiß die Namen nicht. Die eine ist für den Blutdruck und die andere für die Fette. Die gehen aber beide mit R los glaube. Wissen Sie welche ich meine?

Meine Mutter, die hatte Zucker. Musste sich am Ende jeden Tag spritzen und hat davon ganz viele blaue Flecke bekommen, nee das hab ich zum Glück nicht.

F. Medikamente

Ramipril 5 mg 1-0-0

Rosuvastatin 10 mg 1-0-0

G. Operationen und Krankenhausaufenthalte

Arzt: Haben Sie Operationen oder Krankenhausaufenthalte gehabt in ihrem Leben?

Patient: Als ich nochn Junge war, da wurde mir der Blinddarm rausgenommen. Das ist aber schon ewig her. Das tat weh wissen Sie! Da waren wir gerade mit der FDJ unterwegs. Ha aber Sie sehen nicht so aus als ob Sie wüssten was das ist, hab ich recht? Sie kommen nicht aus Deutschland oder?

Arzt: Nein ich wurde nicht in Deutschland geboren, aber das hat keine Relevanz für Ihre Behandlung. Sind noch weitere Operationen erfolgt oder waren Sie im Krankenhaus?

Patient: Früher, da hab ich auch viel Fußball gespielt. Sogar im Verein, da war ich richtig gut. Einmal habe ich 5 Tore in 20 Minuten geschossen, da war ich der König. Aber dann wurde ich übel gefault und hab mir mein Knie verletzt und musste operiert werden. Da muss ich so in meinen Zwanzigern gewesen sein. Da war Fußball spielen dann Geschichte. Sonst hat ich nix, wie gesagt Frau Doktor ich war immer kerngesund!

H. Allergien und Unverträglichkeiten

Arzt: haben Sie irgendwelche Allergien oder Unverträglichkeiten zb. Pollen oder auf bestimmte Medikamente?

Patient: Nee. Meine Frau, ahh ne Exfrau, wir sind ja nicht mehr zusammen, wissen Sie, die hatte immer solche Probleme im Frühling. Da wurde es schön und man konnte endlich wieder draußen sein und sie hat direkt mit schniefen angefangen. Ich hab das zum Glück nicht. Aber einmal da hatte ich eine ganz arge Mandelentzündung und dann hat mir der Doktor so ein Medikament verschrieben, von dem ich ganz schrecklichen Ausschlag bekommen habe. Wie ein Streuselkuchen sah ich aus! Sonst hab ich nischt.

I. Familienanamnese

Mein Vater, der ist an einem Herzinfarkt gestorben. Da war er erst 58 Jahre, das habe ich ja schon erwähnt. Das war ein Schock für mich. Meine Mutter, die ist danach nicht mehr richtig froh Skript Patientengespräch


geworden. Hat immer gesagt, dass Sie am liebsten gleich mitgestorben wäre. Nur wenn sie auf ihre Enkel aufpassen konnte, ging es ihr besser. Die hat dann auch im Alter Zucker gehabt und musste sich spritzen. Wissen Sie ich hasse ja Nadeln, da musste ich immer aus dem Zimmer gehen. Sonst war sie gesund und ist mit 90 im Altersheim gestorben.

Arzt: haben sie Geschwister, bei denen Erkrankungen bekannt sind?

Patient: jaja ich habe einen Bruder. Der hat Lungenkrebs. Musste ganz üble Chemo machen und da hat er seine ganzen Haare verloren. Hat aber auch geraucht wie ein Schlot sein Leben lang. Sonst habe ich noch eine Schwester. Sie ist 5 Jahre jünger und lebt mit ihrem Mann in Hennersdorf. Die haben immer versucht Kinder zu kriegen, aber das hat nicht geklappt und das hat sie ganz schön fertig gemacht. Da musste sie zum Nervendoktor und der hat ihr was gegeben für die Stimmung. Ich glaube damit geht es ihr jetzt besser. Wir sehen uns auch nicht so häufig.

J. Sozialanamnese

Arzt: Sie sind Angestellter in einer Autowerkstatt als gelernter Mechaniker haben Sie gesagt ist das richtig? Haben Sie viel Stress auf Arbeit oder zuhause? Sie haben gesagt Ihre Frau ist ausgezogen. Leben Sie allein? In einem Haus oder einer Wohnung?

Patient: jaja genau ich bin gelernter Mechaniker. Hab mein Leben lang an Autos herumgeschraubt und mir sogar meine eigene Simson zusammengebastelt. Jetzt arbeite ich aber im Büro, wissen Sie die Knie taten mir irgendwann so weh, da musste ich wechseln. Die Arbeit ist langweilig, da muss ich den ganzen Papierkram machen. Aber nur noch zwei Jahre dann kann ich in Rente gehen. Hab mein Leben lang gearbeitet, seit ich 16 bin. Da kann man schonmal in seinem wohlverdienten Ruhestand.

Jaja, meine Frau die ist ausgezogen. Wissen Sie wir haben zwei Kinder zusammen. Helene und Gabriel heißen die beiden. Gute Kinder. Haben beide schon selber Kinder. Aber der Gabriel, der ist einfach weggezogen, hat ne Engländerin kennengelernt und lebt jetzt dort. Den seh ich so selten. Als die Kinder rauswaren da ist meine Frau wieder viel Tanzen gegangen. Sie wollte, dass ich mitgehe aber puuh das ist doch nix für richtige Männer. Dann hat sie da jemanden kennengelernt und hat mich verlassen. Das ist jetzt 5 Jahre her. Jetzt lebe ich allein in unserem Haus, fühlt sich immer noch komisch an ohne sie aber ich wollte nicht umziehen. Haben da ja die letzten 30 Jahre gelebt. Jetzt muss ich alles selber in Schuss halten: das Haus und den Garten. Wissen Sie 35 Jahre waren wir verheiratet! Und dann hat sie mich einfach für einen anderen Kerl verlassen. Immer mustergültig habe ich mich verhalten!! Finden Sie nicht auch dass das wirklich nicht geht?? Na aber Sie sind ja selber noch so jung, haben Sie einen Mann?

(abblocken und sagen, dass das privat ist)

Arzt: haben sie viel Stress im Alltag und pflegen Sie Angehörige. Welchen Tätigkeiten gehen Sie gerne in Ihrer Freizeit nach? Haben Sie ein gutes soziales Netzwerk, viele Freunde?

Patient: Stress haben wir doch alle. Ich arbeite 40 Stunden. Das ist in meinem Alter schon Belastung genug. Aber ich mag die Arbeit im Garten sehr, da gibt es immer was zu tun: Äste verschneiden, Rasen mähen, Laub aufsammeln im Herbst. Nur das Gärtnern habe ich aufgegeben, seit meine Frau ausgezogen ist. Das war immer ihre Aufgabe. Auf dem Beet wächst jetzt viel Unkraut.

Mit meinem alten Freund Benedikt fahr ich jetzt immer in den Urlaub, seit meine Frau weg ist. Seine Frau ist an so ganz schlimmen Krebs gestorben. Da bekam sie die Diagnose und innerhalb von einem halben Jahr war sie tot. Schlimm. Jetzt machen wir immer zusammen Urlaub. Letztes Skript Patientengespräch


Jahr waren wir in Italien. Das war zu warm für meinen Geschmack, aber der Wein und die Pizza haben sehr gut geschmeckt. Wir treffen uns auch einmal in der Woche in der Kneipe und spielen Skat.

Arzt: Treiben Sie Sport?

Patient: Na ich arbeite im Garten und habe mir jetzt letztes Jahr ein E-Bike gekauft. Mit dem fahr ich sonntags immer in die Dresdner Heide.

K. Genussmittel/Noxen

Arzt: wie häufig trinken sie Alkohol und Rauchen Sie?

Patient: Wissen Sie damals in der DDR. Da haben wir alle geraucht, das war Kult. Da habe ich meine erste Zigarette von meinem Kumpel, dem Joachim bekommen. Das war ein Erlebnis. Da war ich noch keine 15. Meine Eltern durften das auf keinen Fall wissen, da musste ich alles immer verstecken und durfte nicht nach Rauch riechen. Ich habe dann aber aufgehört als meine Tochter geboren wurde.

Arzt: das heißt wie viele Jahre haben sie geraucht und wie viel am Tag in diesen Jahren?

Patient: Puuh da müssen Sie mir jetzt aber mal beim Rechnen helfen. Wenn ich mit 15 angefangen habe und meine Tochter, die kam da war ich 26 Jahre. Na dann fast 10 Jahre sinds dann gewesen. Da hab ich auch viel geraucht. Vielleicht eine halbe Schachtel pro Tag. Aber meine Frau, die war da ganz strikt. Die hat immer gesagt: Hans, du darfst rauchen, aber wenn wir unser erstes Kind haben, dann ist das vorbei! Sie hat sogar meine Zigaretten alle weggeschmissen, wenn ich mir dann doch mal eine Notreserve beiseitegelegt habe. Und gerochen hat sie es auch sofort. Da hatte ich keine Wahl.

Arzt: und wie viel Alkohol trinken Sie?

Patient: Schnaps trinke ich schon seit meiner Jugend nicht mehr. Da habe ich mal einen zu viel über den Durst getrunken und seit dem komm ich da nicht mehr ran.

Arzt: und Bier oder Wein?

Patient: Na wenn ich mit dem Benedikt Skat spiele in der Kneipe, da gibt’s schon immer ein paar Bier. Sonst trinke ich am Wochenende nach dem die Arbeit im Garten getan ist, am liebsten auf der kleinen Holzbank, neben dem Lindenbaum. Aber immer nur ein oder zwei Bierchen, mehr nicht. Wein habe ich mit meiner Frau immer viel getrunken, aber seit sie weg ist, habe ich auch aufgehört. Ohne Sie schmeckt es einfach nicht mehr.

Arzt: also insgesamt so 6 Flaschen Bier pro Woche?

Patient: ja wenn sie das so sagen, dann passt das so circa.

Arzt: Haben Sie andere Drogen genommen oder Sie haben erwähnt, dass sie etwas zur Beruhigung bekommen haben, als ihr Vater gestorben war, nehmen Sie das immer noch?

Patient: Aber Frau Doktor was denken sie denn von mir. Ich bin ein rechtschaffender Mann. Natürlich nehme ich keine Drogen!! Und auch das zur Beruhigung habe ich nicht mehr genommen seit Ewigkeiten, ich war dann immer so müde am nächsten Tag.

Aber was soll denn die ganze Fragerei. Was hat

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