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Aufklärung: Cholezystitis

  • Writer: Noah Elias Tatari
    Noah Elias Tatari
  • 1 day ago
  • 7 min read

Begrüßung und Gesprächsrahmen

Guten Tag, ich möchte heute mit Ihnen über Ihre Erkrankung und über die geplante Operation sprechen. Ihre Beschwerden sprechen dafür, dass Sie eine Gallenblasenentzündung haben, die operativ behandelt werden sollte. Das bedeutet, dass wir Ihnen zu einem Eingriff raten.

Ich versuche, Sie über alles ganz in Ruhe aufzuklären. Wenn ich dabei zu schnell spreche oder wenn Ihnen etwas unklar bleibt, sagen Sie mir bitte jederzeit Bescheid – ist das für Sie in Ordnung?

Was die Gallenblase ist

Lassen Sie mich zunächst kurz erklären, worum es überhaupt geht. Die Gallenblase ist ein kleines Organ, das unterhalb der Leber liegt und als Speicher für die Gallenflüssigkeit dient. Bei Bedarf wird diese Flüssigkeit über den Hauptgallengang gemeinsam mit dem Saft der Bauchspeicheldrüse in den Zwölffingerdarm abgegeben, wo sie bei der Verdauung – vor allem von fettigem Essen – hilft.

Warum eine Behandlung nötig ist

Wenn wir eine solche Erkrankung der Gallenblase nicht behandeln, kann das verschiedene Folgen haben. Die häufigsten Probleme sind Steine und Entzündungen.

Eine akute Entzündung kann in die Bauchhöhle durchbrechen und dort eine Bauchfellentzündung verursachen. Eine chronische, also länger bestehende Entzündung kann auf Dauer sogar zu einer bösartigen Geschwulst führen.

Auch Steine können Probleme machen: Sie können die Gallengänge verschließen und dadurch eine Gelbsucht oder eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auslösen. In manchen Fällen entstehen sogar sogenannte Fisteln – das sind außernatürliche Verbindungen zwischen Organen, die dort eigentlich nicht sein sollten.

Gibt es Alternativen zur Operation?

Sie fragen sich vielleicht, ob es auch ohne Operation geht. Grundsätzlich gibt es konservative Maßnahmen wie eine angepasste Ernährung und Medikamente – in Ihrem Fall reichen diese aber leider nicht aus.

Es gibt außerdem die Möglichkeit einer Magen-Darm-Spiegelung. Damit können wir Steine aus dem Hauptgallengang entfernen oder Engstellen an der Mündung des Gallengangs beseitigen. Auch das löst Ihr Grundproblem aber nicht dauerhaft.

Deshalb raten wir Ihnen in Ihrem Fall zur Operation.

Wie die Operation abläuft

Die Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Das heißt, Sie schlafen tief und fest und bekommen von dem Eingriff selbst nichts mit. Zu Beginn legen wir einen Blasenkatheter, um Ihre Harnblase während der Operation zu entleeren.

Für den Eingriff selbst gibt es grundsätzlich zwei Wege.

Der erste ist die offene Methode, also die klassische Operation. Dabei setzen wir einen längeren Bauchschnitt unterhalb des rechten Rippenbogens, legen die Gallenblase frei und entfernen sie. Falls sich Steine im Hauptgallengang finden, entfernen wir diese ebenfalls.

Was wir Ihnen aber empfehlen, ist der zweite Weg: die laparoskopische Operation, auch Bauchspiegelung oder Schlüssellochtechnik genannt. Dabei arbeiten wir mit kleinen, spezialisierten optischen Geräten. Zunächst setzen wir einen kleinen Schnitt von etwa zwei Zentimetern am Rand des Bauchnabels und führen dort eine Kamera ein. Anschließend wird der Bauch mit Kohlendioxid aufgefüllt, damit wir die Bauchhöhle besser einsehen können. Über zwei weitere kleine Schnitte an der linken und rechten Bauchseite führen wir dann die feinen Instrumente ein – zum Beispiel kleine Zangen, Scheren und eine elektrische Schlinge. Damit suchen wir die Gallenblase auf, entfernen sie und schicken sie zur feingeweblichen, also mikroskopischen Untersuchung ein. Auch hier gilt: Finden sich Steine im Hauptgallengang, werden diese ebenfalls entfernt.

Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand – kleine Schnitte statt eines großen, weniger Schmerzen und eine schnellere Erholung.

Drainage, Dauer und Aufenthalt

In manchen Fällen legen wir für einige Tage einen dünnen Drainageschlauch in die Bauchhöhle ein. Über ihn können Gallen- und Wundflüssigkeit nach außen abfließen. Machen Sie sich darüber bitte keine Sorgen – wir können diesen Schlauch einige Tage später ganz schmerzlos wieder herausziehen.

Wenn alles wie geplant verläuft, dauert die Operation in der Regel weniger als eine Stunde. Danach bleiben Sie noch etwa drei bis fünf Tage zur Überwachung bei uns.

Ein wichtiger Hinweis

Einen Punkt muss ich Ihnen unbedingt mitteilen. In bestimmten Fällen ist es nicht möglich, die Operation mit der Schlüssellochtechnik zu beenden. Dann müssen wir während des Eingriffs auf die offene Methode wechseln. Das kann zum Beispiel bei überraschenden Befunden, stärkeren Blutungen, technischen Schwierigkeiten oder schwierigen anatomischen Verhältnissen nötig sein – also bei Dingen, die sich zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht vorhersehen lassen.

Was Sie vor dem Eingriff beachten müssen

Nun zu einigen Anweisungen, die Sie kennen müssen.

Vor der Operation gilt: Ab acht Stunden vorher dürfen Sie nichts mehr essen und auch nicht rauchen, und ab zwei Stunden vorher dürfen Sie nichts mehr trinken.

Außerdem ist es wichtig, dass Sie uns sagen, welche Medikamente Sie einnehmen. Das betrifft vor allem blutverdünnende Medikamente und, falls Sie Diabetiker sind, metforminhaltige Medikamente.

Was Sie nach dem Eingriff beachten müssen

Nach der Operation sollten Sie für etwa vier Stunden nichts essen und nichts trinken, und Sie sollten weder Alkohol trinken noch rauchen – der Grund ist, dass die Betäubung die Darmtätigkeit vorübergehend schwächt. Danach können wir langsam mit dem Kostaufbau beginnen; die Darmtätigkeit stellt sich meist von selbst wieder ein.

Achten Sie anschließend auf Ihre Ernährung: Reduzieren Sie fettes Essen und nehmen Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich.

Wegen des Betäubungsmittels kann Ihr Reaktionsvermögen noch eine Weile eingeschränkt sein. Deshalb sollten Sie sich von einer erwachsenen Begleitperson abholen lassen und für die ersten zwei Tage eine Betreuung zu Hause sicherstellen. In dieser Zeit sollten Sie außerdem keine gefährlichen Tätigkeiten ausüben, nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen und keine wichtigen Entscheidungen treffen.

Und ganz wichtig: Sollten Sie Fieber über 38 Grad, Schmerzen oder Blutungen bemerken, informieren Sie bitte sofort einen Arzt oder die Notaufnahme einer Klinik – auch dann, wenn solche Beschwerden erst einige Tage nach dem Eingriff auftreten.

Raum für Fragen

Haben Sie bis hierher Fragen?

Gut, dann machen wir weiter – nämlich mit etwas, das Sie vermutlich lieber nicht hören würden, das aber dennoch besprochen werden muss: den möglichen Komplikationen.

Mögliche Komplikationen

Wenn ich jetzt über Komplikationen spreche, bedeutet das nicht, dass wir diese erwarten. Sie lassen sich aber nie ganz ausschließen, und deshalb bin ich verpflichtet, sie mit Ihnen durchzugehen.

Zunächst kann es zu einer Allergie oder Unverträglichkeit kommen – zum Beispiel gegen Medikamente, Desinfektionsmittel, das Betäubungsmittel oder Materialien wie Handschuhe. Nur sehr selten führt das zu einem akuten Kreislaufschock, und noch seltener zu bleibenden Schäden wie einem Organversagen, einer Hirnschädigung oder Lähmungen.

Zweitens sind Haut-, Gewebe- oder Nervenschäden möglich, die durch begleitende Maßnahmen während des Eingriffs entstehen können – etwa durch Einspritzungen, Desinfektion, Laser oder elektrischen Strom. In seltenen Fällen bleiben dauerhafte Folgen wie Schmerzen, Entzündungen oder das Absterben von Gewebe zurück.

Drittens besteht das Risiko einer Thrombose oder Embolie, also eines Blutgerinnsels. Sehr selten kann das zu einem Gefäßverschluss, einer Lungenembolie, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt führen.

Viertens kann es zu einer Blutung oder Nachblutung kommen. Auch das ist sehr selten – nur in Ausnahmefällen ist eine operative Blutstillung oder eine Bluttransfusion nötig. Bei einer Bluttransfusion besteht zudem ein ganz kleines Risiko, sich mit Hepatitis oder HIV anzustecken; das Blut wird allerdings sehr sorgfältig untersucht.

Fünftens können benachbarte Organe verletzt werden, zum Beispiel die Leber oder Blutgefäße. Dieses Risiko ist erhöht, wenn Sie schon voroperiert sind, bei ausgedehnten Entzündungen, bei Verwachsungen oder bei ungewöhnlichen anatomischen Verhältnissen. In solchen Fällen muss der geplante Eingriff manchmal erweitert werden.

Sechstens kann nach der Operation ein Leck am Gallengang auftreten, aus dem Gallenflüssigkeit austritt.

Siebtens kann es zu einer Gelbsucht kommen. Meistens braucht diese keine besondere Behandlung und bildet sich von selbst zurück. Bleiben jedoch dauerhafte Verengungen des Gallengangs bestehen, können diese mit der Zeit zu einer Leberschädigung – einer sogenannten Zirrhose – oder zu einer lebensgefährlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung führen.

Achtens können Reststeine zurückbleiben. Diese lassen sich in der Regel auf endoskopischem Weg oder durch einen erneuten kleinen Eingriff entfernen.

Neuntens gibt es die Wundkomplikationen. Dazu zählen Wundinfektionen, bei denen Bakterien die Heilung verzögern; der sogenannte Platzbauch, bei dem die Operationswunde durch hohen Druck oder starke Spannung wieder aufplatzt und sofort neu genäht werden muss; und das Serom, eine Flüssigkeitsansammlung nach der Operation, die sich meist von selbst zurückbildet.

Zehntens kann es später zu einem Narbenbruch kommen. Dieser kann Schmerzen verursachen oder sogar zu einer Einklemmung des Darms führen, sodass eine erneute Operation nötig wird.

Elftens können sich Verwachsungen in der Bauchhöhle bilden. Das ist eine späte Komplikation, die einen Darmverschluss auslösen kann und dann operativ behandelt werden muss.

Und zwölftens gibt es einige Komplikationen, die speziell mit der Bauchspiegelung zusammenhängen. Weil wir dabei mit Kohlendioxid arbeiten, kann es zu einer Schwellung oder einem Knistern der Haut kommen, wenn Gasreste zurückbleiben. Auch Schulter-, Hals- oder Bauchschmerzen sind möglich, die sich nach dem Eingriff aber von selbst zurückbilden. In seltenen Fällen kann das Gas in den Rippenfellraum gelangen – man spricht dann von einem Pneumothorax – oder in ein Blutgefäß, was man Gasembolie nennt. Ebenfalls möglich ist eine vorübergehende Übersäuerung des Körpers, die den Säure-Basen-Haushalt kurzzeitig verschiebt und zu einem erhöhten Blutdruck oder einer Herzschwäche führen kann. Und ganz selten kann es zu Verbrennungen an den Bauchorganen kommen.

Ich weiß, das war jetzt eine lange Liste. Wichtig ist mir vor allem: Die allermeisten dieser Komplikationen sind sehr selten – und wir raten Ihnen nur deshalb zu diesem Eingriff, weil der Nutzen die Risiken deutlich überwiegt.


Fragen des Patienten

Kann ich denn ohne Gallenblase leben?

Ja, das können Sie. Wichtig ist der Unterschied zwischen der Gallenblase und der Gallenflüssigkeit. Die Gallenblase dient nur als Speicher für die Gallenflüssigkeit, die von der Leber gebildet wird. Wenn wir die Gallenblase entfernen, fließt die Galle einfach direkt von der Leber in den Dünndarm und hilft nach wie vor bei der Verdauung von fettigem Essen.

Ich habe etwas über Hybrid-NOTES gelesen – warum führen Sie das bei mir nicht durch?

Hybrid-NOTES ist ein sehr neues Verfahren, bei dem wir den Zugang zur Gallenblase über die Scheide oder den Darm nehmen, kombiniert mit einem minimalen Schnitt am Nabelrand. Mit dieser Technik haben wir aber noch keine gefestigte Erfahrung – im Gegensatz zur klassischen Bauchspiegelung, die wir sehr sicher beherrschen und nahezu täglich durchführen.

Und was ist mit der Single-Port-Operation?

Bei diesem Verfahren erfolgt der Zugang über einen einzigen, etwa zwei Zentimeter langen Schnitt direkt im Bauchnabel. Diese Technik ist zwar ästhetisch schöner, sie gibt uns aber weniger Sicht und weniger Bewegungsfreiheit in der Bauchhöhle – wieder im Vergleich zur klassischen Bauchspiegelung, mit der wir sehr erfahren sind.

Was muss ich an meinen Essgewohnheiten ändern?

Achten Sie auf Ihre Ernährung: Reduzieren Sie fettes Essen und nehmen Sie lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich.

Das klingt alles ziemlich schlimm – Sie machen mir richtig Angst, Herr Doktor!

Das kann ich gut verstehen. Ich bin allerdings verpflichtet, Ihnen wirklich alle denkbaren Komplikationen aufzuzeigen. Denken Sie einmal an den Beipackzettel eines Medikaments – da steht auch ganz viel drauf, und trotzdem nehmen Sie es ein. So ähnlich ist es hier auch.

Können wir diese Entzündung nicht einfach mit Medikamenten behandeln?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, diese Erkrankung konservativ, also mit Medikamenten, zu behandeln. Leider sind die Erfolgsaussichten dabei aber nicht so gut wie bei einer Operation.

Wie häufig kommt es bei Ihnen zu ernsthaften Komplikationen?

Da habe ich Ihnen jetzt keine genaue Zahl parat. Ich werde aber den Oberarzt danach fragen und komme dann noch einmal auf Sie zu. Grundsätzlich gilt: Natürlich gibt es bei jedem Eingriff mögliche Gefahren und Komplikationen – wir raten aber nur dann zu einer Operation, wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Warum soll ich in den zwei Tagen nach der Operation nicht rauchen?

Weil der Tabakkonsum die Sauerstoffversorgung im Körper vermindert – und dadurch verlängert sich die Wundheilung.

Abschluss

Ich habe Ihnen jetzt sehr viel erklärt. Nehmen Sie sich ruhig Zeit, alles in Ruhe zu überdenken, und schreiben Sie sich gern Fragen auf, die Ihnen später noch einfallen. Wir besprechen alles, was Sie wissen möchten.

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