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Aufklärung: Tonsillektomie

  • Writer: Noah Elias Tatari
    Noah Elias Tatari
  • 2 days ago
  • 5 min read

Updated: 18 hours ago

Teil 1: Einleitung

Ihre Beschwerden sprechen stark für eine chronische Mandelentzündung. Das heißt, dass Sie sich einer Mandelentfernung unterziehen sollen. Ich versuche, Sie über alles aufzuklären. Wenn ich zu schnell spreche oder wenn Sie etwas nicht verstanden haben, sagen Sie mir bitte Bescheid, okay?




Teil 2: Warum die Gaumenmandeln entfernt werden müssen

Die Gaumenmandeln sind zwar ein Teil des körpereigenen Abwehrsystems, aber wenn sie ständig entzündet sind, schwächt das das Immunsystem des Körpers und kann zu schweren Komplikationen führen – zum Beispiel entzündliche Erkrankungen des Herzens, der Gefäße oder der Nieren, sowie rheumatische Erkrankungen.




Teil 3: Wie operiert wird

Diese Operation erfolgt unter Vollnarkose. Das bedeutet, dass Sie tief schlafen und nichts vom Eingriff mitbekommen werden. Über Art und Risiko des Betäubungsverfahrens werden Sie von unserem Narkosearzt gesondert aufgeklärt.




Teil 4: Der Ablauf

Jetzt möchte ich auf den Ablauf dieses Eingriffs eingehen. Zuerst wird Ihr Kopf rückwärts gebeugt, die Zunge wird nach unten – mithilfe eines Zungenspatels – gedrückt, und die vergrößerten Mandeln werden ausgelöst und entfernt. Danach werden sie zur histologischen sowie bakteriologischen Untersuchung eingeschickt.


Wenn alles wie geplant läuft, dauert die Operation weniger als zwanzig Minuten. Sie sollten jedoch damit rechnen, dass Sie nach der Operation drei bis fünf Tage bei uns zur Überwachung bleiben.




Teil 5: Vorbereitung vor der OP

Falls die Operation unter Vollnarkose durchgeführt wird, müssen Sie nüchtern sein – das heißt, etwa acht Stunden vor der Operation dürfen Sie nichts essen und nicht rauchen, und zwei Stunden vor der Operation nichts mehr trinken.


Informieren Sie uns bitte, welche Medikamente Sie einnehmen. Dazu gehören insbesondere blutgerinnungshemmende Medikamente und, bei Diabetikern, metforminhaltige Medikamente. Diese Medikamente dürfen nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen oder abgesetzt werden.




Teil 6: Nach der OP

Nach der Operation werden Sie bei uns für drei bis fünf Tage bleiben, damit wir sicherstellen, dass keine Komplikationen aufgetreten sind und alles in Ordnung ist.


Für etwa vier Stunden müssen Sie nüchtern sein, danach nehmen Sie in den ersten Tagen nur weiche und flüssige Speisen zu sich. Verzichten Sie jedoch für etwa zwei Wochen auf Bohnenkaffee sowie stark gewürzte, säurehaltige Speisen und Getränke – und natürlich auch auf Alkohol und Tabakwaren. Außerdem vermeiden Sie bitte jede Art von Kontakt mit Wärmequellen.


Informieren Sie uns bitte umgehend bei Schmerzen, Blutung aus dem Mund, Bluthusten, Teerstuhl und Fieber über 38 Grad – den Arzt oder die Notfallaufnahme einer Klinik –, auch wenn diese Beschwerden erst einige Tage nach dem Eingriff auftreten.




Teil 7: Übergang zu den Komplikationen

Haben Sie bisher Fragen? – Nein, gut. Dann machen wir weiter, nämlich mit etwas, das Sie vermutlich lieber nicht hören würden, aber es muss dennoch besprochen werden.


Das Thema Komplikationen: Das heißt nicht, dass wir Komplikationen erwarten, sie sind jedoch nicht gänzlich auszuschließen.


Es ist möglich, dass Sie nach der OP starke Hals- oder Ohrschmerzen fühlen. Das ist ganz normal, und Sie sollten sich keine Sorgen machen – wir werden Ihnen ein Schmerzmittel geben. Außerdem können Schluckbeschwerden auftreten, die keine weitere Behandlung bedürfen und meist von selbst abklingen.


Trotz aller Sorgfalt kann es zu Komplikationen kommen, die weitere Behandlungsmaßnahmen erfordern.


Allergie und Unverträglichkeit, zum Beispiel auf Latex, Medikamente, Betäubungsmittel oder Desinfektionsmittel. Das führt sehr selten zu einem akuten Kreislaufschock. Sehr selten sind bleibende Schäden wie Organversagen, Hirnschädigung oder Lähmungen.


Haut-, Gewebe- und Nervenschäden. Bei der Zunge kann es zu Nervenschäden kommen: entweder eine Verletzung des sensiblen Zungennervs, was eine vorübergehende Geschmacksstörung oder ein Taubheitsgefühl von bis zu zwei Wochen verursachen kann. Oder eine Verletzung des motorischen Zungennervs, was eine Bewegungseinschränkung und dadurch Sprechstörungen verursachen kann.


Blutung und Nachblutung sind sehr selten. Sie treten meist innerhalb der ersten Tage nach der OP aus dem Rachen auf – massive Blutungen können zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Sehr selten ist eine operative Blutstillung oder eine Bluttransfusion erforderlich. Da kommt auch ein ganz kleines Risiko, dass Sie Hepatitis oder HIV bekommen. Klar, das Blut wird sehr gut untersucht.


Thrombose und Embolie, also ein Blutgerinnsel: Wenn sich ein Gerinnsel ablöst, verschließt es ein Blutgefäß und kann zu schwerwiegenden Folgen führen, zum Beispiel Beingefäßverschluss, Lungenembolie, Schlaganfall oder Herzinfarkt.


Verletzungen der Zunge, des weichen Gaumens, des Gaumenzäpfchens oder der Zähne durch die Operationsinstrumente sind ebenfalls möglich.


Selten kommt es zu einem nasalen Klang der Sprache.


Entzündungen, die meist medikamentös oder operativ gut beherrschbar sind. Und überall, wo man hineinschneidet, kann es in seltenen Fällen zu Infektionen kommen, die aber meist mit Antibiotika gut beherrschbar sind.


Allerdings kommt das ziemlich selten vor. Sie sollten keine Angst haben. Wir sind für jede Situation vorbereitet.


Haben Sie bisher Fragen? Gut, dann wäre meine Bitte, dass Sie hier einmal unterschreiben, dass Sie alles gehört haben und mit der Untersuchung einverstanden sind. Ich will Sie nicht drängen – lesen Sie sich bitte diesen Aufklärungsbogen noch einmal genau durch, und ich beantworte dann sehr gerne Ihre Fragen.




Teil 8: Typische Patientenfragen und wie man souverän antwortet

Jetzt zu den Fragen, die in so einem Gespräch häufig kommen – und die auch in der Prüfung gestellt werden können.


„Hier unterbricht mich der Patient und drückt Angst vor dieser Komplikation aus, weil er als Callcenter-Agent arbeitet." In diesem Fall: Ich kann Ihre Angst sehr gut verstehen, aber dieses Risiko ist extrem selten, ist noch nie bei uns passiert.


„Könnte diese Entzündung nicht mit Medikamenten behandelt werden?" Ich kann absolut verstehen, dass Sie Angst vor der OP haben. Aber man hat ja schon mehrmals bei Ihnen die medikamentöse Behandlung versucht, und leider hat sie zu keiner endgültigen Heilung geführt. Und weil das Risiko von Komplikationen hoch ist, wenn die Gaumenmandeln nicht entfernt werden, rate ich Ihnen zu dieser Operation. Doch es gibt mögliche Gefahren und Komplikationen bei diesem Eingriff, aber wir raten zu einem Eingriff erst dann, wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen.


„HIV und Hepatitis! Das klingt aber sehr gefährlich!" Das klingt zwar gefährlich, aber Sie sollten sich darum keine Sorgen machen, weil dieses Risiko heutzutage sehr niedrig geworden ist, dank der strengen Kontrolluntersuchungen, die durchgeführt werden, bevor das Blut übertragen wird.


„Warum soll ich für zwei Tage nach dieser Operation nicht rauchen?" Weil der Tabakkonsum die Sauerstoffversorgung vermindert, und dadurch verlängert sich der Wundheilungsprozess.


„Was ist eine Tonsillotomie, und führen Sie das bei mir durch?" Als Tonsillotomie bezeichnet man die Verkleinerung der Gaumenmandeln, im Gegensatz zur Tonsillektomie, die die vollständige Entfernung der Gaumenmandel bedeutet. Diese führen wir nur bei kleinen Kindern durch, bei denen die Gaumenmandeln eine große Rolle als Teil des Immunsystems spielen. Bei Erwachsenen ist das nicht der Fall.


„Wie kommt es zu Infektionen? Benutzen Sie keine sterilen Instrumente?" Natürlich benutzen wir sterile Instrumente, aber es gibt im Mund und Rachen viele Bakterien, die in der Regel harmlos sind. Aber wenn es eine Wunde in diesem Bereich gibt, können die in das Gewebe oder in die Blutbahn eintreten und Entzündungen auslösen.




Teil 9: Zwei Begriffe zum Mitnehmen

Zum Abschluss zwei Fachbegriffe aus dem Gespräch, die sich leicht verwechseln lassen:


Nervus lingualis – das ist der sensible Zungennerv, zuständig für Geschmack und Empfindung. Nervus hypoglossus – das ist der motorische Zungennerv, zuständig für die Bewegung der Zunge.


Der eine betrifft also das Fühlen, der andere das Bewegen – ein Unterschied, der in der Aufklärung über mögliche Nervenschäden eine Rolle spielt.




Outro

Das war ein komplettes Aufklärungsgespräch zur Mandelentfernung, von der Einleitung über den Ablauf und die Komplikationen bis zu den typischen Patientenfragen. Achtet beim eigenen Üben besonders darauf, wie Ängste des Patienten aufgefangen werden, ohne dass Informationen beschönigt werden – das ist der Balanceakt, den die Kommission bei euch sehen möchte.


Wer solche Aufklärungsgespräche und Patientenreaktionen auch im Hörverstehen trainieren möchte, findet im FSP AudioPack realistische Patientensimulationen. Link in den Shownotes: noahsclass.com/fsp-audiopacks.


Ich bin Noah, das war FSP Explained. Bis zur nächsten Folge!


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